BACKDOOR in Paris

Am 2. Juli brach Backdoor zum Grab Jim Morrisons nach Paris auf. Die Band wurde von einem Filmteam des MDR begleitet. Unter dem Titel "Fünf Groitzscher in Paris" strahlte dieser Fernsehsender am 5. Juli 2001 im seinem Kulturmagazin "artour" einen Bericht aus. Die folgenden Zeilen sollen der Versuch einer Rekapitulierung der Reiseereignisse sein.

von Martin Scheer

Montag, 2. Juli 2001

"...Mit einem Taxi nach Paris, nur für eine Nacht...". Ganz so ausgefallen sind wir am Montag den 2. Juli 2001 nicht in Altengroitzsch aufgebrochen. Ein angemieteter Mietbus versah den Dienst wesentlich preiswerter und hatte noch den Vorteil, dass Fahrräder und diverse Getränkereserven abgestaut werden konnten. So ging es früh gegen halb zehn auf Tour Richtung französische Hauptstadt, immer nach dem Motto:
"aus Altengroitzsch raus, in Saasdorf um die Kurve und dann immer geradeaus" (Originalton Ergee). Die Fahrt gestaltete sich eher langweilig, bedingt durch die viel zu ordentlich gebauten Autobahnen, die keine meisterhaft angesetzten Überhol- bzw. Unterholversuche des jeweiligen Fahrers zuließen und zu begeisterten Jubelstürmen der Mitreisenden führen könnte.
Außerdem zeigte sich, dass der mitgenommene Bierkasten peinlich kalkuliert war und außerdem langsam die Betriebstemperatur des Motors annahm. Egal, nach elf Stunden und ein paar Eppelstücken fielen die Backdooren in Paris ein.

Das Hotel, in dem wir nächtigen sollten, befindet sich östlich des Zentrums in der "rue de chemin verd" (Diese wurde natürlich gleich eingedeutscht und hieß ab jetzt "Straße des Chemiefacharbeiters", aber das sollte nicht die letzte Umbenennung sein).
Der Weg konnte schnell gefunden werden und das Gefährt hielt ordnungsgemäß vorm Eingang. Die Fernsehfritzen warteten schon auf uns um eine improvisierte Lage- bzw. Drehbuchbesprechung für den nächsten Tag zu machen. Eigentlich ging das recht schnell, da man offensichtlich auch nicht so recht wusste, wie man uns Bekloppte als "Morrison-Pilgerer" darstellen sollte. Egal.
Danach gab's lecker arabische Küche und zum Glück besaß das Hotel einen Freisitzanschluss, damit war es nicht so weit bis zur nächsten Tränke. Am Abend teilten sich die diversen Interessengemeinschaften in Sportambitionierte (Ich habe versucht das Moloch per Rad zu entdecken, was anbetracht der Tatsache, dass Radfahrer in Paris so selten sind wie nüchterne Fans bei "Kirsche" alles andere als ein Vergnügen war...hup, näht, hup...), echte Kulturgenießer (Ergee und unser Manager Steffen erkundeten das Terrain sehr erfolgreich mit der Metro) und ganz echte Kulturgenießer (Büffel, Sven und Holle zogen es vor den Abend im Freisitz zu beenden bzw. zu beginnen).

Dienstag, 3. Juli 2001

Die freundliche Stimme, die da mit Anlauf gegen die Tür meines Einzelzimmers hämmerte, konnte nur die des lieben Bassschweins sein. Es ging sehr früh los. Halb neun saßen alle brav am Frühstückstisch. Als letzter kam Holle mit Sonnenbrille, was den wohl gerade beendeten Abend nicht besser beschreiben konnte. Trotzdem mundeten die leckeren Baguettes allen und ob ein späteres Brecherchen für neue Magenfreiheit sorgte, soll hier nicht behandelt werden.

Der erste Drehort war der Prominentenfriedhof Père Lachaise auf dem Jim vor nun genau 30 Jahren seine letzte Ruhe gefunden hat. Ich muss zugeben, dass ich einen Kloß im Hals bekam. Ich dachte auf dem Marsch dorthin oft an die Frage, was einen so jungen Typ trieb, sich in so kurzer Zeit zielstrebig ins Jenseits zu befördern.
Aber für Nachdenken blieb ab jetzt kaum noch Zeit, die Arbeit rief. Der Friedhof war weiträumig von Polizei bewacht und der Weg zum Grab auf dem Friedhof war "ausgeschildert". Schon früh gegen zehn waren Massen auf den Beinen. Die Sicherheitskräfte organisierten eine Art Schleuse, so dass man sich hinten brav anstellen durfte und kurz vor dem Grab verweilen konnte. Wir mussten uns mehrmals anstellen und der Kameramann versuchte so bestmögliche Bilder in seine Linse zu bekommen. Das war dann irgendwann etwas befremdend, da man nicht immer aufs Neue eine betroffene Miene machen kann. Danach gab's verschiedenste Einstellungen auf dem Friedhof (z. B. am Grab von Balzac) und Büffel musste ein Interview geben. Auf jeden Fall war der Vormittag gelaufen.

Ohne große Pause und ohne Essen (!) kam jetzt für mich die Horrorrunde. Wir sollten mit geballter Mannschaft mit dem Auto durch Paris düsen und diverse Stellen anfahren. Paris, Auto, Verkehr...mehr braucht man da nicht zu sagen. Todesmutig meldete sich Steffen als Fahrer und wir stellten uns brav an die Autokolonne an.
Neben dem Haus in dem Morrison gestorben war, umkreisten wir noch andere Sehenswürdigkeiten von Paris, wie zum Beispiel den Triumphbogen. Der dort herrschende Autoverkehr erinnerte ein wenig an eine Herde BSE-Kühe im Endstadium, die völlig orientierungslos durcheinander irren. Überall machte die Kamera aufnahmen, vorwiegend von Büffel, der zunehmend missmutig in die Linse schaute. (Wir hatten neben totalem Smog auch etwa 35 Grad im Schatten).

Zu guter Letzt ging's noch einmal in Friedhofsnähe. Das Team war gespannt, was sich noch so entwickeln konnte ( In den letzten Jahren gab es oft Ausschreitungen vor dem Friedhof). Leider oder besser gesagt zum Glück war das in diesem Jahr nicht der Fall und so musste sich Regisseur Fingernagel mit einer Doors-Coverband zufrieden geben, die direkt gegenüber vor einer Kneipe abhottete und den Verkehr lahmlegte.
Wir beäugten die Sache fachmännisch und stellten fest, dass Backdoor eigentlich eine verdammt gute Kapelle geworden ist. Ich glaube in uns allen war der Wunsch gewesen, jetzt selbst hier zu stehen und zu muggen. Schade, vielleicht the next year!

Jetzt wurde es schon Abend. Hunger! Durst! Man entschloss sich zu herzhafter Küche und so wurde selbst ich zum Fleischessen genötigt (war auch mal wieder lecker). Danach teilten sich die Interessengruppen wieder. Ich fuhr mir einen Platten ein, Ergee und Steffen mutierten zu echten Touristen und der Rest sinnierte über einen neuen Namen für die Straße in der sich das Hotel mit Kneipe befand, in dem sie nun wieder saßen ("rue de brüh" entschied man).

Mittwoch, 4. Juli 2001

Abreisetag! Die selbe Faust an der Suitetür holte mich aus meinen sexuell angefärbten Träumen. Der Rest war wie am Vortag. Holle kam mit Sonnenbrille. Der Kaffee war nicht nach französischer Art und schon saßen wir wieder im Kraftwagen und versuchten den Ausgang aus diesen Ding namens Paris zu finden. Die Heimfahrt erwies sich als genauso umkompliziert, wie die Anreise, nur das Bier wahr zumindest die ersten drei Stunden kühler.
Der hohle Mist, der wie immer auf Backdoor-Touren erzählt wird, war wieder mal von einer anderen Welt. Schade, dass ich mir so wenig merken kann....nur so viel (Vorsicht, nicht jugendfrei): Vom Bier trinken bekommt man eine Sauflatte, Adam und Eva sind Käse, da zuerst die Sauflatte da war, die dann als erstes Lebewesen durchs All flog...?....

Fazit

Der Bericht, der am 5. Juli 2001 bei "artour" im MDR unter dem Titel "Fünf Groitzscher in Paris" ausgestrahlt wurde, war natürlich etwas ernüchternd. Zu viele Tage haben wir an diversen Drehorten in Groitzsch, Tanna und Paris verbracht. Das waren endlose Stunden Film. Außerdem waren wir natürlich nur Mittel zum Zweck in der Form, dass der 30. Todestag Jim Morrissons in einem Kulturmagazin Mitteldeutschlands eine Rahmenhandlung brauchte und wir passten da gut rein.

Befürchtungen ALLER in der Band, dass sich der Bericht auf den Frontmann Büffel beschränkt, haben sich relativiert. Natürlich wurde er als einziger namentlich genannt, aber der Rest war zumindest optisch vertreten. Wir möchten auch so klarstellen, dass die Band eine Plattform mit fünf gewachsenen Pfeilern ist. Bricht einer der Pfeiler weg, kommt die Plattform ins wanken. Das hat nichts mit Neid auf die Frontperson zu tun, sondern mit Verantwortung. Büffel weiß das am meisten zu schätzen.

Higgens.